Drauflosbeobachten ...

20.10.2020

Es ist die Zeit der Früchte, der Fruchtstände, und mit fallenden Temperaturen kehrt Ruhe ein im Wald und am Waldrand, auf den Wiesen und Hängen ...

Früher war sie allgemein - und das heisst bei Alt und Jung - bekannt, die Groß-Klette (Arctium lappa). Wenn auch bei den Alten und auch bei den Mädchen nicht wirklich beliebt, sogar verhaßt. Denn da "Fernsehen und Couching" noch nicht "Breitensport" war, hat sich die Jugend anderweitig und meist im Freien vergnügt. Da waren die Kletten genau richtig, denn die Buben konnten den Mädels diese aus sicherer Distanz nachwerfen. Traf man die Haare, ging lautes Geheul los, denn da waren die Kletten so richtig hartnäckig und kaum ohne Hilfe herauszubekommen. Traf man die Kleidung, wars auch nicht besser, denn dann ging zuhause das Schimpfen los, denn auch aus der - speziell herbstlich warmen, also wolligen - Kleidung ließen sich die hakigen Fruchtballen fast nicht rückstandsfrei herauslösen.

Schon öfter diente der Gelbe Blasenstrauch (Colutea arborescens) als Bildobjekt, aber um diese Zeit noch in der Blüte? Eigentlich sollte er voller Früchte hängen ...

Ein ganzer wegabschnitt von mehreren Metern war voller dunkler, schnell kriechender Raupen. Aber hat sich was mit Raupen: bei genauer Betrachtung stellt es sich heraus, dass es sich um Larven einer Art der Weichkäfer (Cantharis sp.) handelt. Auffällig seine kräftigen Kiefer und die samtig wirkende Oberfläche. Sie sind wohl alle am Weg irgendwo ins Gras, um sich dort zu verkriechen und zu verpuppen. Im nächsten Jahr werden wir sie wieder finden - als grau-rote Käfer von Blüte zu Blüte schwirrend.

Schön gelb verfärben sich seine Blätter, und fast geradlinig diametral stehen die Samenflügel der Feldahorns (Acer campestre) einander gegenüber. Bald werden sie vollkommen ausgetrocknet sein und sich von der traubigen Ansammlung lösen, um propellerhaft zu Boden zu kreiseln - oder vom Wind hochgewirbelt sich auf eine weitere Reise zu machen ...

Die Feuchtigkeit der letzten Tage lassen so manchen Pilz aus dem Boden schiessen, so auch direkt am Wegrand diesen Parasol (Macrolepiota procera) . Er ist ein typischer Bewohner von lichten Buchen-, Eichen- und Eichen-Hainbuchen-Wäldern, wobei zu letzterem der Raader Wald zu zählen ist. .

Ein ganz spezielles Tier - und nicht nur wegen seines außergewöhnlichen Aussehens - ist die Riesenschlupfwespe (Dolichomitus imperator) Dank ihrer sensiblen Fühler spürt sie im Holz befindliche Insektenlarven auf. Wird sie fündig, bohrt sie ihren langen Legestachel durch das Holz in deren Körper und legt ein Ei hinein. Die sich entwickelnde Larve frißt schließlich die Wirtslarve auf und verpuppt sich anschließend.

Es wird schon dämmrig und kühl, eigentlich ist kaum mehr etwas zu finden - denkt man sich, und schon leuchtet aus dem Unterbewuchs etwas Helles heraus. Und da liegt sie mitten im Wald, abseits des Weges, eine Feder aus dem rechten Flügel eines Turmfalken (Falco tinnunculus), die schon etwas zerzaust und abgestoßen wirkt. Nun, das ist nicht überraschend, denn es ist die Zeit der Mauser - die Jungen sind großgezogen, die Federn durch die eifrige Jagd verbraucht und stump. Zeit für ein neues Federkleid ...

Augen auf und gemütlich durch den Wald spazieren - wer's noch nie probiert hat, sollte es jetzt endlich einmal versuchen. Es ist vielleicht jetzt auch die ideale Gelegenheit, zu Zeiten von COVID-19, wo die Freizeitgestaltung eingeschränkt, das Reisevergnügen eingebremst und die gesellschaftlichen Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen vernünftigerweise entfallen sollten.

Wenige erreichen den Raader Wald zu Fuß, viele aber erreichen ihn ganz leicht mit dem Rad, und Bewegung ist in dieser COVID-Zeit doch auch besonders wichtig, oder ? Und so ganz nebenbei macht man interessante Beobachtungen, hat interessante Begegnungen, hat etwas für seine Gesundheit getan und vielleicht auch noch etwas dazugelernt, indem man es der Natur abschaut ......

Der Raader Wald braucht unsere Hilfe!

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