Besondere Spuren ... und die Becherlupe

22.05.2020

Noch nie gab es im Raader Wald so viele Spuren menschlichen Leichtsinns und menschlicher Nachlässigkeit: So zahlreiche Zigarettenstummel auf oft nur kurzen Wegstrecken sind uns bisher noch nicht aufgefallen - und da unsere Aufmerksamkeit ja gerade auf die kleinen Bodenlebewesen gerichtet ist, können wir sie unmöglich bisher übersehen haben!

Die Corona-Zeit hat wohl diese Veränderung bewirkt, denn viele konnten oder wollten ihre Urlaubsreisen nicht antreten oder haben sich einfach für vermehrte Spaziergänge in der näheren Umgebung entschieden. Leider ist damit aber auch die Erkenntnis verbunden, dass der Aufenthalt in der Natur durch viele erst wieder "erlernt" werden muss - der Raader Wald ist ein trockener Wald und unbedachtes Hantieren mit offenem Feuer sowie schlecht ausgelöschte Zigarettenstummel stellen eine ernste Gefahr dar!

Wenig Freude mit der Verschmutzung ihres lebensraumes dürften auch diese Erdwanzen (Cydnus aterrimus) haben. Flink laufen sie an den trockenen Stellen der Wege herum und sind so kaum vernünftig zu fotogarfieren. Hier hilft nur der entschlossene Griff nach einem solch kleinen, kaum 10 Millimeter großen Tier und das Einbringen in eine Becherlupe ... jetzt werden die markanten, aber winzigen dichten Borsten der Beine erst sichtbar.

Eine aufgerichtete Falle, die mit einigen Tropfen Bier als Köder bestückt ist, hat einen während der Nacht auf Futtersuche befindlichen Goldgrubenlaufkäfer oder Gartenlaufkäfer (Carabus hortensis) angelockt. Diese Art ist praktisch nie am Tag zu finden ... er ist einer der "großen" fleischfressenden Räuber des Raader Waldes ... Das Tier wird aus der Falle entnommen und in einer Becherlupe fotografiert, deren 5mm-Gitterraster einen Größenvergleich erlaubt. Dieses Weibchen - kenntlich an den schlanken vordersten Fußgliedern - bringt es auf eine Körperlänge von fast 30 Millimeter.

In einer anderen Falle finden sich gleich mehrere Arten von nächtlichen Jägern: links zwei Exemplare vom Großen Breitkäfer (Abax parallelipipedus) ewohl der häufigste nächtliche Räuber des Waldes und praktisch überall - tagsüber meist unter Steinen versteckt - aufzufindenin. Ein langgestreckter räuberischer Kurzflügler, der Schwarze Moderkäfer (Ocypus olens) - ein vitaler Räuber, der auch gegenüber seinen Freßfeinden sehr wehrhaft ist. Und zuletzt ein harmloser Vertreter der Scarabaeiden, ein Frühlingsmistkäfer (Geotrupes vernalis) der eigentlich auf das Umwandeln von Aas oder Exkrementen in Humus spezialisiert ist, diesmal aber wohl vom Biergeruch angelockt wurde. Letzterer ist aber häufig auch an Waldwegen kriechend anzutreffen. Als eher schlechter Flieger nutzt er den offenen Luftraum über den Wegen für schnelleres Fortkommen...

Die fast ausschließlich nächtliche, oder auch nur versteckte Lebensweise vieler Insekten und anderer Tiere entzieht sie meistens unseren Beobachtungen. Fallen mit verschiedenen Lockmitteln helfen zumindest bei den räuberischen Arten dieses Hindernis zu umgehen. Auf diese Art können auch Arten festgestellt werden, die ansonsten unbeobachtet und unerkannt bleiben würden - und so kann auch eine weitaus höhere Artenvielfalt festgestellt werden, als wenn nur die tagaktive Tierwelt hierfür herangezogen würde.

Unbekannte Tiere und Pflanzen in äußerst hoher Zahl - das bietet der Raader Wald, nutzbar als "Klassenzimmer im Grünen". Ein wichtiges Argument in einer Zeit, wo Klimaänderung und das damit verbundene Artensterben das zukünftige Leben auf der Erde bedrohen. Und dies sollte den Schutz des Raader Waldes als logische Folge bewirken, denn es ist höchste Zeit, den Artenschwund zu bremsen, und andererseits DIE VIELFALT DER HIERFÜR NOTWENDIGIGEN LEBENSRÄUME SOWIE DIE VERBINDUNG UNTEREINANDER WIEDER HERZUSTELLEN!

Der Raader Wald braucht unsere Hilfe!

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